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ARR® Zentrum für
Anatomisch Richtiges Reiten

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Ungleiche Rückenmuskulatur - total schief

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Schiefentherapie für ein Therapiepferd

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ARR in der Reiter Revue

Unter dem Schlagwort «Die natürliche Schiefe sinnvoll abtrainieren» widmet diese Ausgabe der ReiterRevue der Arbeit des Zentrums für ARR spannende 6 Seiten!

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Aus aktuellem Anlass weisen wir nochmal eindringlich darauf hin, dass der Begriff «Schiefen-Therapie®» urheberrechtlich geschützt ist. Die Verwendung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Zentrums für ARR gestattet. Jede Zuwiderhandlung kann rechtliche Konsequenzen haben.

 

ANATÓMIAILAG HELYES LOVAGLÁS

Hier der vierte Teil der Artikelserie über ARR im ungarischen Reitsportmagazin LOVAS ELET!

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ARR IN DER DÄNISCHEN ZEITSCHRIFT RIDEHESTEN

Das renommierte dänische Pferdemagazin Ridehesten hat einen großen Artikel über die Trainingsmethode von ARR und das Aufbautraining des dänischen Warmblut-Hengstes White Talisman publiziert.

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Gästebuch

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Gladdys und Bettina

Deutlich taktunrein - mehr als einmal ein Grund für Tränen

Stute Gladdys, 14 Jahre

Es war Anfang November 2014, als ich nichts ahnend einen Kurs belegte zum Thema Schiefen-Therapie, um mir Inputs zu holen auf meinem beschwerlichen Weg, mein Pferd gerade zu richten. Wer hätte gedacht, dass sich nach diesen 3 Tagen mein Leben und das meiner Stute vollkommen auf den Kopf stellen würde! Zuerst einmal saß der Schock tief, als ich mein Pferd das erste Mal bei Herrn Schöneich an der Longe laufen sah. Dann liefen viele Tränen, da ich mir über die letzten 10 Jahre, die ich die Stute hatte, große Vorwürfe machte. Im Laufe der 3 Tage zeichnete sich aber auch eine Lösung ab. Mein Pferd MUSSTE in das Zentrum zu Schöneichs. Auf der einen Seite war die Entscheidung so klar und deutlich, auf der anderen Seite sah ich erst mal einen riesigen Berg scheinbar unüberwindbarer Hindernisse vor mir. Nur schon die Frage nach dem Transport, die Organisation im eigenen Stall und die finanziellen Aufwändungen haben mir schlaflose Nächte beschert. Durch die zahlreichen informativen und aufmunternden Gespräche mit «ehemaligen» am Kurs habe ich jedoch die Hilfe erfahren, die mich in meiner Entscheidung bestärkt hat. Es hat genau 2 Wochen gedauert, bis ein Carnet ATA für den Zoll erstellt war, der Transport mit der Firma Potijk organisiert war und in meinem eigenen Stall auch alles geregelt war. Am 21.11.2014 hat meine Stute Gladdys, 14 Jahre alt und seit 10 Jahren bei mir, ihre abenteuerliche Reise von Liechtenstein nach Bedburg-Hau unternommen. Dank der einfühlsamen Art des Fahrers haben sich meine Ängste schnell in Luft aufgelöst. Trotzdem war die Erleichterung groß, als das Pferd wohlbehalten im Zentrum ankam. Ich hatte von Anfang an überhaupt keine Mühe, mein Pferd in die erfahrenen Hände von Frau Rachen-Schöneich und ihrem tollen Team abzugeben.
Nun begann für Gladdys eine körperlich äußerst anstrengende Zeit an der Longe. Einmal pro Woche habe ich mit Frau Rachen-Schöneich telefoniert und mich über die Fortschritte erkundigt. Da die Stute sehr groß und schwer ist, war auch die Vorderlastigkeit stark ausgeprägt. Es war ein Lernprozess, der insgesamt ca. 6 Wochen gedauert hat, sie gerade- und aufzurichten. Entscheidend war der Moment, als Frau Schöneich entschieden hat, Therapeuten hinzuzuziehen. Dies war zuerst Herr Fernandez-Cuevas, der Chiropraktiker, und einen Tag später Herr Dr. Wolters, Akupunkteur. Beide Therapeuten haben die Stute nur ein einziges Mal behandelt, der Fortschritt jedoch war gewaltig.
Zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich mein Pferd das erste Mal für ein paar Tage besucht. Es war mir bis dahin schon klar, dass die Arbeit an der Longe eine Fertigkeit ist, die jahrelanger Übung bedarf. Und so wurde der Berg an scheinbar unüberwindbaren Hindernissen wieder größer: Wie kann ich die Longenarbeit weiterführen? Wie kann ich das in so kurzer Zeit lernen? Und was ist allgenmein danach? Mein Pferd wird sich sehr verändern – wie lerne ich, sie zu reiten, um das Ergebnis zu erhalten? Wird mein Traum nach einem leichten, gerade, schwungvollen Pferd überhaupt wahr?
Ich durfte schon nach Weihnachten zweimal longieren, habe aber deutlich gespürt, wie schwer es ist, die Technik zu erlernen und gleichzeitig das Pferd auch noch zu korrigieren, das noch nicht «fertig» ist. Mein Mut und meine Zuversicht hielten sich in Grenzen. Aber zu sehen, wie mein Pferd sich verändert hat, leichter und schwungvoller lief, Gelassenheit und Ruhe ausstrahlte, war Grund genug, zuversichtlich nach vorne zu schauen.
Zu Gladdys muss ich noch eines sagen: Abgesehen von ihrer Großrahmigkeit (178cm) und ihrer natürlichen starken Vorderlastigkeit ist sie im Februar 2014 bei einem Ausritt auf beide Karpalgelenke gefallen, was ihr zwei riesige Löcher und daraus entstehendes Narbengewebe beschert hat. Der Sorglosigkeit der Bewegungen war dahin, auf hartem Boden hat sie auf linke Hand deutlich gelahmt oder war zumindest später deutlich taktunrein. Ich bin mehr als einmal in Tränen aufgelöst aus einem Dressurprogramm heraus gekommen, da der Boden nicht ideal war und sie in den kleinen Volten und Wendungen stark taktunrein ging.
Dieses Problem hat sich durch die Arbeit an der Longe praktisch in Luft aufgelöst. Sobald sie von hinten durchtritt und sich gerade richtet, findet man keinen Hauch von Taktunreinheiten mehr.
Mit viel Mut bin ich wieder nach Hause und habe als erstes das Buch über die Schiefen-Therapie verschlungen. Wie lange Gladdys schlussendlich brauchte, um gefestigt zu sein, war mir inzwischen egal. Dass sie etwas länger brauchen wird als der Durchschnitt, war mir ebenfalls klar. Egal! Langsam haben mir die vielen Bemerkungen von «Insidern» eingeleuchtet, die mir immer und immer wieder gesagt haben, dass ich ein «neues» Pferd bekommen würde. Das ganze Ausmaß wurde mir aber erst später klar….
Wieder verging Woche um Woche mit Telefongesprächen über die Fortschritte. Nach etwa 2 Monaten befand man die Stute für reif, unter den Sattel zu kommen. Wie erwartet, ist sie zuerst einmal ins alte Muster zurück gefallen. Das gibt sich aber nach ein paar Tagen. Und endlich war es soweit, dass wir meinen letzten Besuch zum Ende der Korrektur planen konnten! Ich habe mir dafür 12 Tage Zeit nehmen können – keiner war zu viel! Schon Tage und Wochen davor waren meine Nerven zum Zerreißen gespannt. Hohe Erwartungen, unendlich viel Hoffnung – gepaart mit meinem Perfektionismus – das konnte kaum gut gehen. Dachte ich.
Einmal mehr habe ich erfahren, wie durchdacht und erfahren im Zentrum ARR mit Mensch und Tier umgegangen wird. Ganz langsam wurde ich über die Longenarbeit, Sitzübungen im Roundpen und das Vorreiten durch die Bereiterin an mein «neues» Pferd herangeführt. Ich habe viel Zeit mit Gladdys verbracht – ich war praktisch den ganzen Tag im Stall – und habe so gemerkt, wie wir uns wieder annähern und das eingespielte Team wurden, die wir vorher einmal waren.
Der Beginn der Longenarbeit mit der «fertigen» Gladdys war von einem kurzen Schreck begleitet: Sie ist die ersten beiden Tage mit mir in ihr altes Muster zurück gefallen und war an der Longe so taktunrein, dass ich schon dachte, sie habe sich verletzt. Frau Rachen-Schöneich hat mich beruhigt und wir haben einfach mit ihr gearbeitet. Die Taktunreinheit verschwand mit jeder Runde mehr! Und am Ende der Lektion war sie weg…. Am zweiten Tag war es ähnlich, aber nicht ganz so stark. Und von da an war das nie mehr ein Thema. Ich bin trotzdem froh um diese Erfahrung, da ich schon wusste, dass das zu Hause auch passieren kann, sobald das Pferd in die alte Umgebung zurück kommt.
Die 12 Tage kann ich zusammen fassen: Ich wurde entgegen all meiner Ängste und Befürchtungen Schritt für Schritt auf mein neues Pferd vorbereitet. Alle drei – Frau Rachen-Schöneich, Herr Schöneich und die Bereiterin Julia Lünstedt – sind mit unendlich viel Leidenschaft und Herz bei der Sache. Nie, aber wirklich nie, ist eine Frage zu viel. Man selbst und das Pferd sind keine «Nummer» in einer Ausbildungs-Fabrik, wie man sie oft kennt. Nein, trotz über 30 Jahren Praxis und Erfahrung ist jedes Pferd wichtig und im Mittelpunkt. Auch der ganzheitliche Aspekt, unter dem jedes Pferd betrachtet wird, ist beeindruckend: Hufschmied, Akupunktur, Chiropraxis, Tierärztin und Heilpraktikerin, Zahnärztin und nicht zuletzt der Sattler – alle tragen dazu bei, das Pferd gesund und leistungs- (bzw. trag-) fähig zu machen. Wie Herr Schöneich einmal zu mir sagte: «Die Korrektur-/Therapiearbeit ist ein Rundumschlag und radikal.» Absolut! Aber im positiven Sinne…
Ich bin also nach den 12 Tagen im Zentrum wehmütig nach Hause, aber mit der neu erworbenen Gewissheit, dass ich genug gelernt habe, um alleine über die Runden zu kommen – bis zum nächsten Kurs in Wängi zumindest. Es ist leider wahr, aber jetzt nicht mehr beängstigend: Man ist nachher ziemlich alleine. Es gibt niemanden, der einem diese Art zu reiten lehren kann. Ich bin die Lehrerein meines Pferdes geworden. Auch die Longenarbeit kann mir niemand korrigieren. Natürlich werde ich, so oft sie stattfinden, die Kurse besuchen und mich von Herrn Schöneich überprüfen lassen. Aber der Berg an unüberwindlichen Hindernissen ist weg. Das Konzept des Zentrums ARR geht auf. Zu 100%.
Nun ist Gladdys seit 12 Tagen wieder bei mir zu Hause. Nach einem wiederum toll organisierten und durchgeführten Transport durch die Firma Potijk ist sie heil und unversehrt, jedoch müde von der langen Reise in ihrem Stall angekommen.
Die ersten 4 Tage habe sich sie nur longiert. Der kurze und schwache Rückfall kam am zweiten Tag. In der Zeit seither kann es bei Wetterumschwüngen sein, dass die Narbe reagiert und ich am Anfang der Arbeit eine Taktunreinheit bemerke, die aber nach ein paar Runden weg ist.
Das Reiten macht viel Spaß, wenn man offen ist, von seinem Pferd zu lernen! Ich staune immer wieder, wie gefestigt Gladdys ist und mir deutlich zeigt, wenn ich etwas richtig oder falsch mache. Meine Hilfengebung ist noch nicht so fein und unsichtbar, wie ich es gerne hätte, aber ich werde jedes Mal geschmeidiger in meinen Bewegungen. Ich habe gelernt zu spüren, wenn der Rücken „rollt“ und hoch kommt: Das ist der Moment, wo meine Beckenbodenmuskulatur nach kurzer Zeit schlapp macht, weil so viel Bewegung kommt! Bei meinem Pferd ist es nach wie vor das Wichtigste, sie nicht wieder auf die Vorhand kommen zu lassen. Das ist für mich die größte Herausforderung, da man nicht ins Ziehen kommen darf – und gleichzeitig auch noch unabhängig sitzen soll mit leichten Armen und lockeren Beinen… Manchmal verzweifelt man fast an sich selber – dann aber macht man in einem Moment alles richtig und das Pferd reagiert. Für diese Highlights reitet man! Und dafür gibt man auch nicht auf – und wird immer besser und besser….
Es ist nicht so, dass man ein Pferd 3 Monate ins Zentrum gibt, es zurück bekommt, sich drauf setzt und alles läuft von selber. Es ist vielmehr so, dass das Pferd eine Basis bekommen hat – es ist gerade und aufgerichtet –, die es zu erhalten, zu verfeinern und zu festigen gilt. Dazu muss man selber auch neu anfangen und umdenken und im wahrsten Sinne des Wortes umsitzen. Das Pferd ist körperlich nun in der Lage, den Reiter noch lange Zeit zu tragen und dabei gesund zu bleiben – wenn man weiterhin so trainiert.
Das ist die erfüllendste Herausforderung, der ich mich je gestellt habe.
Bettina Zinsmeister mit Gladdys
März 2015


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