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ARR® Zentrum für
Anatomisch Richtiges Reiten

Rittorpweg 57
47574 Goch
Deutschland
 
Telefon: +49 (0) 2823 97555 09
Fax: +49 (0) 2823 97555 10
Telefon (Mobil): +49 (0) 172 14 13 294
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Kurstermin steht zur Verfügung

Freies Wochenende vom 04. bis zum 06. August 2017
bei Interesse gerne hier im Zentrum melden.

 

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Zurück ins Leben - Erfahrungsbericht

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ARR in der Reiter Revue

Unter dem Schlagwort «Die natürliche Schiefe sinnvoll abtrainieren» widmet diese Ausgabe der ReiterRevue der Arbeit des Zentrums für ARR spannende 6 Seiten!

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Urheberrecht

Aus aktuellem Anlass weisen wir nochmal eindringlich darauf hin, dass der Begriff «Schiefen-Therapie®» urheberrechtlich geschützt ist. Die Verwendung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Zentrums für ARR gestattet. Jede Zuwiderhandlung kann rechtliche Konsequenzen haben.

 

ANATÓMIAILAG HELYES LOVAGLÁS

Hier der vierte Teil der Artikelserie über ARR im ungarischen Reitsportmagazin LOVAS ELET!

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ARR IN DER DÄNISCHEN ZEITSCHRIFT RIDEHESTEN

Das renommierte dänische Pferdemagazin Ridehesten hat einen großen Artikel über die Trainingsmethode von ARR und das Aufbautraining des dänischen Warmblut-Hengstes White Talisman publiziert.

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Info-Flyer

Der Flyer mit vielen Informationen rund um das Zentrum für Anatomisch Richtiges Reiten ARR.

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Fachaufsätze

Fachaufsätze

 

Kunstwerk Pferd

Als Hans Günter Winkler und seine Stute Halla 1956 an den Olympischen Spielen in Stockholm Hindernis um Hindernis mit Leichtigkeit und Präzision bewältigten, trauten die Zuschauer ihren Augen nicht: Nachdem Winkler sich im 1. Umlauf eine Leistenverletzung zugezogen hatte, litt er im 2. Umlauf unter massiven Schmerzen und war körperlich stark beeinträchtigt. Er war kaum zu einer Hilfengebung fähig, von reiterlicher Einwirkung ganz zu schweigen. Trotzdem trug ihn die couragierte Stute souverän zur Goldmedaille: Olympiasieger 1956 – eine Legende war geboren!



Zuchtgenetik versus Urgenetik
Damals wie heute bringt die Zucht Ausnahmepferde von ungeheurem Potenzial hervor. Sie tragen eine genetische Disposition in sich, die sie zu Höchstleistungen befähigt – wenn sie dieses Talent denn auch ausspielen können. Ein eindrückliches Beispiel eines solchen Ausnahmepferdes wurde 2015 aus dem Dressursport verabschiedet.

Wir sehen sie an Auktionen und Jungpferdeprüfungen: hoch talentierte Pferde, die für enorme Summen den Besitzer wechseln. Es werden Preise bezahlt, als ginge es hierbei nicht um (vergängliche) Lebewesen, sondern um Investitionen in Kunstwerke: Claude Monets «Iris Mauves» beispielsweise kam jüngst für 10,8 Millionen britische Pfund unter den Hammer und kostete damit etwa gleich viel wie das teuerste Dressurpferd aller Zeiten.

Doch weshalb taucht der Großteil dieser Jungpferde später nirgends mehr auf? Weshalb ist es so, dass qualitätsvolle Grand-Prix-Pferde bereits im Alter von 15 Jahren meist verletzungsbedingt aus dem Sport verabschiedet werden? Ihre genetische Disposition ist von höchstem Wert – und doch? Schafft die Zucht bloß kurzlebige Kunstwerke ohne Gewähr?

Entscheidend ist, dass frühzeitiger Verschleiß dann eintritt, wenn bestimmte genetische Elemente in der Ausbildung nicht berücksichtigt werden. Denn nebst der Zuchtgenetik – man könnte auch von Pedigree oder Talent sprechen – tragen alle Pferde auch die Urgenetik des Fluchttiers in sich. Und diese Urgenetik steht in krassem Widerspruch zu den Anforderungen an das moderne Reitpferd. Je länger ein Pferd also den Belastungen des Reitpferdes ausgesetzt ist, desto mehr treten die Folgen des instinktgeprägten Bewegungsmusters der Urgenetik in den Vordergrund und die Zuchtgenetik wird unterdrückt. Lernt das Pferd in seiner Ausbildung nicht, mit urgenetischen Elementen wie der Händigkeit, der natürlichen Schiefe oder der Vorderlastigkeit umzugehen, können Talent und Potenzial aufgrund der körperlichen Beschwerden und schließlich medizinischen Probleme, die aus diesen urgenetischen Elementen resultieren, nicht ausgespielt werden.




Fohlen
Zuchtgenetik erster Güte


Dies erklärt, weshalb die Sternchen der Fohlenauktionen und Jungpferdeprüfungen meist nie mehr in Erscheinung treten: Als ungerittene oder frisch angerittene Youngster sind die Beeinträchtigungen durch die Urgenetik noch gering oder gar nicht vorhanden und das Talent zeigt sich in seiner ganzen Größe. Je weiter die Ausbildung fortschreitet, desto mehr wird versucht, mit Druck und einer immer größeren therapeutischen Entourage die vermeintlichen Schwächen zu überdecken. Die Urgenetik wird in exaltierten Spanntritten mit Füßen getreten. Die Kunstwerke von einst verkommen zu künstlichen Werken falsch verstandener Ausbildung. Und es ist reiner Zynismus unserer schnelllebigen Zeit, zu behaupten, dass sich das moderne Ausnahmepferd eben gerade dadurch auszeichnet, dass es diesem ungeheuren Druck standhält.

Vom Wunderkind zum Sorgenkind
Und was geschieht mit all den hochtalentierten Pferden, die dem Druck nicht standhalten und durch die Maschen des Systems fallen? Wenn sie nicht mit 15 Jahren ihren «Lebensabend» auf den Weiden hinter der Reithalle fristen, gelangen sie in den Verkauf. So wird verheißungsvolles Pedigree auch für den gehobenen Freizeitreiter erschwinglich. Die Faszination für das Kunstwerk Pferd lässt über körperliche Mängel hinwegsehen, die vielversprechende Abstammung weckt hohe Erwartungen. Schon nach kurzer Zeit dann die Ernüchterung: Die Defizite der Ausbildung treten unter dem Durchschnittsreiter über kurz oder lang zu Tage. Taktunreinheiten, Widersetzlichkeit, Verspannungen, Blockaden und Rittigkeitsprobleme führen den verzweifelten Pferdebesitzer in die Behandlungsspirale. Diese kostet nicht nur viel Geld, sondern nicht selten auch so viel Energie, dass der Traum vom eigenen «Crack» zum Albtraum wird.



Dressurpferd
Albtraum Ausnahmepferd


Nun ist es am Hobby-Reiter, das Versäumte nachzuholen. Das Bedürfnis des anspruchsvollen Freizeitreiters nach Auseinandersetzung nährt den schier unüberschaubaren Markt an Kursen, Büchern, DVDs, Futterergänzungsmittel und alternativen Heilmethoden. Das Angebot ist riesig, die Nachfrage reißt nicht ab. Kunden, die ihre Pferde zu uns ins Zentrum für Anatomisch Richtiges Reiten ARR bringen, haben fast immer einen langen – und kostspieligen – Leidensweg hinter sich. Umso ernüchternder ist daher auch der Moment der Erkenntnis, wenn das «austherapierte» Pferd nach wenigen Wochen Training nach ARR zu Schwung und Losgelassenheit findet, ungeahnte Motivation an den Tag legt und feines Reiten nun zur Selbstverständlichkeit wird. Denn einzig der Einbezug der Urgenetik in die Ausbildung und das tägliche Training entscheidet über Erfolg und Misserfolg.

Gute Muskeln, schlechte Muskeln
Wir treffen auf Pferde, die aufgrund falscher Trainingsmethoden massive Kompensationsmuskulaturen aufgebaut haben. Diese Muskulaturen sind jedoch gefährlich, da sie Verschiebungen im Skelett, Veränderungen an Wirbelgelenken, Knochenödeme oder arthrotische Veränderungen begünstigen. Sie dienen einzig der Befriedigung des Menschen, der sich freut, dass das Pferd sich verändert und neue Muskulatur sichtbar wird. Doch diese Muskeln behindern die Bewegung und damit die Entfaltung der genetischen Veranlagung – das Talent bleibt auf der Strecke. Wird jedoch der Urgenetik mit gezielter Gymnastizierung Rechnung getragen, können selbst Schwächen am Skelett oder andere Verschleißerscheinungen rehabilitiert werden.

Talisman – um nur eines von ihnen zu nennen – ist so ein Pferd. 1995 wurde der mit einem ausgezeichneten Pedigree ausgestattete Schimmelhengst in Dänemark geboren. Der direkte Weltmeyer-Nachkomme überzeugte bereits als Remonte mit großem Bewegungstalent und enormer Leistungsbereitschaft. So absolvierte er die Körung als 1. Reservesieger und qualifizierte sich als überragender Sieger der dänischen Meisterschaft für die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde. Der ausdrucksstarke Hengst avancierte zum Publikumsliebling, an den sich die Menschen noch heute lebhaft erinnern.

Verschiedene Verletzungen bremsten den steilen sportlichen Aufstieg bereits im Alter von sechs Jahren. Der Hengst deckte erfolgreich in Dänemark, später in Norwegen. Trotz Schonzeit, intensiver tierärztlicher Betreuung und Physiotherapie fand Talisman nicht mehr zu seiner alten Form zurück. Als er von einer norwegischen Para-Dressurreiterin im Hinblick auf die Paralympics 2012 trainiert wurde, zeigte er in der Belastung immer wieder Lahmheiten, die jedoch kein Tierarzt erklären oder beheben konnte. Als schließlich auch das Zuchtinteresse verblasste, wurde Talisman im Alter von 17 Jahren an zwei junge Freizeitreiterinnen verkauft, die ihn zu uns ins Training brachten – in physisch und psychisch desolatem Zustand. In einem Ausbildungstagebuch wurde seine Entwicklung dokumentiert und heute strahlt der rüstige Senior in neuem Glanz. Denn es ist nie zu spät, seinem Pferd den Umgang mit der Urgenetik zu lehren.



Talisman
Talisman im Alter von 20 Jahren


Es ist symptomatisch, dass die Ausbildungsdefizite von Talisman unter der körperlich eingeschränkten Para-Dressurreiterin zum Tragen kamen. Was sich unter einem hart einwirkenden Reiter in überspannten Tritten und eng zusammengestellter Silhouette scheinbar in Perfektion präsentierte, ließ sich ohne diese massive Krafteinwirkung nicht reproduzieren. Die nicht bewältigten urgenetischen Schwächen manifestierten sich unweigerlich in der Taktunreinheit. Winklers Stute Halla hingegen war in Stockholm dank der sorgfältigen Ausbildung, die sie genossen hatte, in der Lage, sich selbst und ihren handikapierten Reiter fehlerfrei durch einen höchst anspruchsvollen Parcours tragen – sie wurde übrigens stolze 34 Jahre alt.


Text: Zentrum für Anatomisch Richtiges Reiten ARR


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