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ARR® Zentrum für
Anatomisch Richtiges Reiten

Rittorpweg 57, 47574 Goch
Deutschland
 
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Fax: +49 (0) 2823 97555 10
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Nach 15 Uhr ist Stallruhe.

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Marken- und Urheberrecht

Der Begriff «Schiefen-Therapie®» ist markenrechtlich geschützt. Unsere Texte, Bilder und Zeichnungen sind urheberrechtlich geschützt. Ihre Verwendung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Zentrums für Anatomisch Richtiges Reiten ARR gestattet. Jede Zuwiderhandlung kann rechtliche Konsequenzen haben.

 

Sitzt, passt, wackelt und lässt keine Luft...

Der Begriff Gurtzwang wird gemeinhin mit den Folgen von zu schnellem Angurten beim ersten Auflegen des Sattels verbunden. Doch obwohl sich im Bereich des Sattelbaus in den letzten Jahrzehnten eine Menge getan hat und auch das Bewusstsein für die Bedeutung eines passenden Sattels und des sorgfältigen Gurtens sich zum Positiven gewandelt hat, ist Gurtzwang bei unseren modernen Reitpferden aller Rassen leider kein seltenes Phänomen. Bei genaueren Nachdenken erstaunt das nicht. Was, wenn die Ursache für den Gurtzwang bei einer Vielzahl der Pferde im Absinken des Rückens begründet liegt?

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Moderne Pferde mit dem Rücken zur Wand

Zu den vielen Gesetzmäßigkeiten der Arbeit unter dem Sattel, deren Hintergrund vielen Reitern und sogar Ausbildern nicht vertraut ist, gehört, dass Pferde «über den Rücken» gehen müssen.

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Fachartikel: Raus aus der Reha, ran an das Training!

Mit viel Geduld hat man seinem Pferd Zeit gegeben, sich von einer Krankheit oder einer Verletzung zu erholen. Dann endlich gibt der Tierarzt nach einer Kontrolluntersuchung grünes Licht für die Reha-Phase. Die Freude ist groß – die Verunsicherung genauso.

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Info-Flyer

Der Flyer mit vielen Informationen rund um das Zentrum für Anatomisch Richtiges Reiten ARR.

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Katjas Blog

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Wenn sich der wahre Charakter offenbart

29. August 2019

Dass jedes Pferd seinen eigenen Charakter hat, den es auf die eine oder andere Art und Weise deutlich oder weniger deutlich zeigt, ist den meisten Reitern und Pferdebesitzern klar. Die Beziehungen zwischen Pferden und ihren Menschen basieren auf dem individuellen Charakter – so würde man denken. Oftmals jedoch sind es oberflächliche Verhaltensweisen, die die Menschen als «Charakter» des Pferdes interpretieren, die aber mit dem eigentlichen Charakter nicht viel zu tun haben.

«Meine Stute ist eine richtige Diva – sie ist total zickig zu anderen Pferden und kann deswegen nur alleine auf die Weide und am Putzplatz stehen.»; «Mein Pferd ist so ein Tollpatsch, dauernd latscht er mir auf die Füße oder rennt irgendwo gegen – er hat ständig Macken überall.»; «Mein Wallach ist total lieb, man kann wirklich jeden Reiter auf ihn setzen – Ihn bringt einfach nichts aus der Ruhe. Leider hat er Kissing Spines, weswegen wir ihn nur noch ein bisschen im Gelände reiten und nicht mehr richtig trainieren können.»… jedem Reiter werden solchen Aussagen schon einmal begegnet sein.

Aber sind diese Verhaltensweisen wirklich Ausdruck des Charakters des jeweiligen Pferdes?
Eine der größten Faszinationen, die ich während meiner Ausbildung bei Familie Schöneich fast täglich beobachten kann, ist, wie sich die Verhaltensweisen des Pferdes, die irrtümlich für dessen «Charakter» gehalten werden, im Laufe des Trainings verändern und wie bei Vollendung der Ausbildung der wahre Charakter des Pferdes zum Vorschein kommt. Dieser ist oft diametral anders, im Vergleich zu dem «Charakter», den das Pferd zu Beginn der Ausbildung zeigte. Wie die Schichten einer Zwiebel hat das Pferd sich Verhaltensweisen angewöhnt, die den Kern verdecken, die es aber mit zunehmendem Gleichgewicht im Training abzulegen beginnt. Der Kern besteht dann aus ein paar Eigenschaften, die sich bei allen Pferden universell beobachten lassen und die durch die jeweils individuellen Charakterzüge ergänzt werden.

Zugewandtheit dem Menschen gegenüber ist eine dieser universellen Eigenschaften, die alle Pferde im Training im Zentrum für ARR nach ein paar Wochen annehmen. Sie öffnen sich für die Kommunikation mit dem Trainer und beschenken ihn mit ihrer Aufmerksamkeit. Eine andere ist die innere Ruhe und Gelassenheit, die zeigt, dass sich das Pferd nicht mehr ständig im Fluchttiermodus befindet. Freude an der Bewegung kommt zum Vorschein, sobald das Pferd die neuen Bewegungsabläufe verinnerlicht hat und die früheren Blockaden beseitigt wurden. Und darüber hinaus gibt es dann die individuellen Charaktereigenschaften, die jedes Pferd zum Individuum werden lassen und die die Arbeit mit ihnen so besonders macht.

Ein junger spanischer Wallach beispielsweise war für seine Besitzerin früher kaum händelbar. Er riss sich beim Führen ständig los, raste beim Reiten teilweise unkontrollierbar durch die Gegend und hatte überhaupt keinen Bezug zum Menschen. Er war hypernervös und immer zur Flucht bereit. Sein Verhalten wies auf einen völlig unsicheren Charakter hin, hoch elektrisch, unnahbar und ängstlich. Im Laufe des Trainings veränderte sich sein Verhalten so stark, dass wir schnell feststellen durften, dass sein eigentlicher Charakter das genaue Gegenteil war. Er wurde immer ruhiger, immer gelassener und präsentierte sich nach 8 Wochen von einer ganz neuen Seite. Seine Grundhaltung war jetzt die Ruhe, auch wenn er – wie für spanische Pferde typisch – sein Feuer im Training blitzschnell zur Verfügung stellen kann, wenn es vom Reiter eingefordert wird.

Mein eigenes Pferd, Davino, hätte ich vor zwei Jahren als total lieben, unscheinbaren, ruhigen und gutmütigen Wallach beschrieben ohne viel Temperament und Spieltrieb. Er war für jeden Reiter händelbar, wenn auch innerlich immer etwas ängstlich und unsicher, was sich beispielsweise durch Kopfscheue ausdrückte. Ansonsten zeigte er äußerlich keinerlei «Ausbrüche» – weder besonders negative noch besonders positive Emotionen. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, er war vollkommen in sich gekehrt, lethargisch, unmotiviert und hatte diese Gleichgültigkeit als äußere Verhaltensweise komplett angenommen. In seinen Augen sowie auch in seinem Fell war kein Glanz zu erkennen. Das hat sich gewaltig geändert – mit all seinen Konsequenzen. Heute ist Davino eigentlich das genaue Gegenteil. Neuen Dingen gegenüber reagiert er neugierig und spielerisch. Innerlich ist er zwar ruhig und extrem selbstsicher, aber auf der Weide ist er wild und verspielt und fordert seine Weidekumpels auch gern schonmal heraus. Er zeigt mir heute sehr deutlich seine Launen und seine Emotionen. Wenn er findet, dass es jetzt Zeit zum Arbeiten ist, steht er auch schon mal mit gespitzten Ohren an der Boxentür, stampft auf den Boden und wiehert mir laut entgegen als wollte er sagen «Los jetzt, ich bin dran!». Genauso deutlich zeigt er mir aber auch, wenn er etwas doof findet. Er fordert mich, jeden Tag, denn wenn ich nicht die richtige Energie mitbringe, arbeitet er nicht mit. Er hat so viel Glanz im Fell und in den Augen, so viel Ausdruck im Gesicht, dass nicht nur einmal jemand zu mir gesagt hat, dass ich ja ein neues Pferd hätte. Sein eigentlicher Kern ist endlich zum Vorschein gekommen.

Ein Pferd, das lernt sich im körperlichen Gleichgewicht zu bewegen, dessen Stoffwechsel sich regeneriert und dessen Gesundheitszustand sich verbessert, lässt viele alte und gewohnte Verhaltensweisen los, die seine Menschen früher als «seinen Charakter» beschrieben haben. Wenn der wahre Charakter sich offenbart, bedeutet Reiten, sich mit diesem Charakter auseinander zu setzen und ihn in das Training und den täglichen Umgang zu integrieren. Reiten als Spiel der Kreativität mit dem Pferd zu erleben, ist dann möglich, wenn auch der Reiter sich auf dieses Spiel einlässt. Leichtigkeit und echte Harmonie sind die Folge.
Das zu erleben, ist für mich eine der größten Faszinationen des Reitsports. Aber sie verlangt dem Reiter einiges ab – darüber muss man sich im Klaren sein.


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